Modul 1 · Die Entdeckung

Wie findet ein Bauer eine versunkene Steinzeit?

Er suchte die Römer — und fand etwas dreitausend Jahre Älteres. Die Geschichte von Jakob Messikommer ist die Geschichte, wie aus Neugier Wissenschaft wird. Und sie beginnt mit einem Spaten im Moor.

In diesem Modul lernen Sie
  • wie die Pfahlbauten von Robenhausen 1858 entdeckt wurden
  • wer Jakob Messikommer war — und wie ein Autodidakt zum Forscher wurde
  • den Unterschied zwischen einer belegten Quelle und einer erzählten Geschichte
Film
Film: Die Entdeckung von 1858 — in 60 Sekunden
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Film: Die Entdeckung von 1858 — in 60 Sekunden
ADer Mann

Der Bauer von Stegen

Jakob Messikommer kommt am 18. August 1828 im Weiler Stegen bei Wetzikon zur Welt, als ältestes von vier Kindern einer einfachen Bauernfamilie. Er ist wissbegierig — doch als sein Vater 1843 stirbt, muss der erst 15-Jährige die Sekundarschule verlassen und den Hof übernehmen.

Die Neugier bleibt. Messikommer wird nebenbei Dichter: Mit 22 begegnet er dem Schriftsteller Jakob Stutz, veröffentlicht erste Gedichte und schreibt sogar ein Theaterstück. Tagsüber aber sticht er Torf im Riedland am Himmerich — Jahr für Jahr Dutzende Fuhren, auch fürs Küchenfeuer seiner Mutter. Beim Graben träumt er davon, Spuren der Helvetier zu finden, jener Kelten, die schon Julius Cäsar beschrieb.

Er suchte die Antike — und stiess auf die Steinzeit.

Porträt von Jakob Messikommer
Dr. Jakob Messikommer (1828–1917), Porträt von J. Welti, 1902. Reproduktion einer Informationstafel des Heimatmuseums Wetzikon · Foto: Roland zh, Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
BGraben Sie mit

Graben Sie mit Messikommer

Jakob Messikommer im Grabungsgebiet
Jakob Messikommer in seinem Grabungsgebiet im Robenhauser Riet, um 1860–1870 — zwischen freigelegten Pfahlreihen · Foto: Fritz Wiesendanger · ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv (Ans_06145) · gemeinfrei

Steigen Sie hinab in den Torf. Klicken Sie sich Fund für Fund durch die echte Spur, die 1858 zur Entdeckung führte.

Oberfläche
CChronologie

Ein Leben am Fundplatz

Fundstellenkarte Wetzikon-Robenhausen 1913
Fundstellenkarte Wetzikon–Robenhausen (1913): der Aabach und die einzelnen Niederlassungen, die Messikommer untersuchte · Wikimedia Commons · gemeinfrei (Public Domain)

Nach 1858 wird aus dem Zufall ein Lebenswerk: rund sechs Jahrzehnte Grabung, Forschung und Vermittlung.

DWarum es zählt

Wie ein Bauer die Welt nach Wetzikon holte

Gedenkstein für Jakob Messikommer im Robenhauser Riet
Der Gedenkstein am Fuss der Messikommer-Eiche: «Jakob Messikommer Dr. h.c. 1828–1917» · Eigene Aufnahme, Pfahlbauweg am Pfäffikersee
Messikommer-Eiche im Robenhauser Riet
Die über 500-jährige «Messikommer-Eiche» mit Gedenkstein, Bank und Infostele — ein stiller Erinnerungsort im Ried · Eigene Aufnahme

Messikommer grub mit aussergewöhnlicher Sorgfalt. Aus winzigen Samenkörnern und Tierresten rekonstruierte er, was vor 5000 Jahren angebaut und gehalten wurde: Weizen, Gerste, Hirse, Flachs und Gartenmohn; dazu Äpfel, Haselnüsse und Beeren; Rinder, Ziegen, Schafe und Hunde. Wo andere nur Abfall sahen, las er einen Speiseplan der Jungsteinzeit.

Seine Funde und Publikationen machten Robenhausen zu einem Zentrum der europäischen Pfahlbauforschung — Fachleute aus dem ganzen Kontinent reisten zu «dem Bauern aus Stegen». Man prägte sogar einen eigenen Begriff: die «époque robenhausienne». 1893 verlieh ihm die Universität Zürich die Ehrendoktorwürde — einem Mann, der mit 15 die Schule hatte verlassen müssen.

Altes Probenfläschchen mit der Aufschrift Robenhausen Geflechte
Genau so finanzierte Messikommer seine Grabungen: ein sorgfältig beschriftetes Fläschchen — «Robenhausen. Geflechte.» — mit einer originalen Gewebeprobe aus dem Ried. Solche Proben verkaufte er in die ganze Welt · Eigene Aufnahme

Nicht der Titel machte ihn zum Forscher. Die Genauigkeit tat es.

EWie wissen wir das?

Beleg oder Erzählung?

Gute Geschichte und gute Geschichtswissenschaft sind nicht dasselbe. Damit Sie beides auseinanderhalten können, machen wir es transparent:

● belegt durch Quellen

Geburts- und Sterbedaten, die Funde von 1856/57, die Entdeckung am 2. Februar 1858, der Ehrendoktor 1893 — gestützt auf das Historische Lexikon der Schweiz, das Museum Wetzikon und Messikommers eigene Berichte (u. a. «Die Pfahlbauten von Robenhausen», 1913).

● erzählerisch zugespitzt

Die Innensicht im «Grabe mit»-Teil — Gedanken, Stimmungen, der Moment am Spaten — ist nachempfunden, nicht überliefert. Sie hilft beim Verstehen, ist aber keine Quelle. Genau diese Unterscheidung üben Historiker:innen ständig.

FAufgaben

Jetzt Sie

Verstehen · einzeln

Messikommers Tagebuch

Schreiben Sie einen kurzen Tagebucheintrag aus Messikommers Sicht für den 2. Februar 1858. Was hat er gesehen, gedacht, gehofft? Nutzen Sie nur, was im Modul belegt ist — und markieren Sie, was Sie sich dazudenken.

Vertiefen · Recherche

Dem Beleg auf der Spur

Im Modul steht: Aus Samenfunden schloss Messikommer auf den Anbau bestimmter Pflanzen. Finden Sie eine zweite, unabhängige Quelle, die das bestätigt — und eine, die etwas anders darstellt. Was lernen Sie daraus über Quellen?

Begegnen · alle

Ihr erster Fund

Stellen Sie sich vor, Ihr Spaten trifft auf etwas Hartes im Boden. Drei Fragen, die Sie sofort stellen sollten, bevor Sie weitergraben — welche?

Kurzer Check

Weiter · Modul 2

Leben am See — ein Tag im Pfahlbaudorf um 3000 v. Chr.